"Es geht immer um Geschichten"

Der Robert Schäfer Verlag - Interview mit Robert Schäfer

Was hat Sie dazu bewogen, einen Verlag zu gründen?

 

Ich bin ein Geschichtenerzähler. Ich möchte wissen, wie Menschen ihr Leben gestalten, was sie antreibt, wie sie ihre Ideen umsetzen und ihre Ziele erreichen. Lebensläufe haben mich schon während des Soziologie-Studiums fasziniert und aus diesem Grund bin ich Journalist geworden. Ich war als lokaler Reporter während des Volontariats beim Viernheimer Tageblatt unterwegs, habe für die Süddeutsche Zeitung das neu eröffnete Büro in Holzkirchen südlich von München aufgebaut, durfte spannende, skurrile und überraschende Geschichten als freier Mitarbeiter für Magazine wie brand eins, SPIEGEL und GQ schreiben und beschäftige mich jetzt mit Medizinjournalismus.  

 

In den beiden Gesundheits-Ratgebern, die ich vor der Verlagsgründung gemeinsam mit dem Kaiserslauterer Knie-Spezialisten Dr. Wolfgang Franz veröffentlicht habe, kommen viele Menschen und ihre Schicksale zu Wort. Etwa der über 70-Jährige, der nach seiner Genesung vor Hawaii surft. Oder der Pfälzer, der mit seinem wieder hergestellten Knie per Rad von Kaiserslautern aus den Jakobsweg (rund 3000 Kilometer) bewältigt.

 

Durch die Arbeit an den beiden Büchern konnte ich eine ganze Menge Erfahrung sammeln – vor allem, was die Gestaltung und Produktion oder die Vermarktung eigener Werke angeht. In dieser Zeit reifte die Erkenntnis: So etwas kann ich auch selbst machen. Gefehlt hat hierfür nur noch ein konkreter Anlass. Der kam meiner Frau sozusagen über Nacht zugeflogen. Meine Frau, Christina Adler-Schäfer, ist Diplom-Psychologin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin mit eigener Praxis in Viernheim. Eines Nachts wurde sie wach und hatte die ganze Geschichte „Vom kleinen Spatz, der nicht fliegen wollte“ im Kopf. Sie brachte alles zu Papier, wir sprachen beim Frühstück darüber und nach der letzten Tasse Kaffee stand der Entschluss zur Verlagsgründung fest.

 

 

Haben Sie bei der Verlagsgründung Erfahrungen aus der Buchbranche mit eingebracht und wenn ja welche?

 

Gemeinsam mit dem Kaiserslauterer Knie-Spezialisten Dr. Wolfgang Franz habe ich zuvor zwei Gesundheitsratgeber veröffentlicht: „Die Knie-Sprechstunde“ kam 2007 heraus, das Buch „Knie-Arthrose“ im Jahr 2008, beide sind im Herbig-Verlag erschienen und beide gingen bereits in die zweite Auflage. Die Vermarktung überlassen wir nicht ausschließlich dem Verlag, sondern betreiben selbst Öffentlichkeitsarbeit durch den Versand von Presseartikeln, Radio-Interviews sowie regelmäßige Informationsabende zum Thema Knieschmerz. Diese Veranstaltungen sind so gut besucht, dass mancherorts ein zweiter Abend angesetzt werden muss, damit alle Kniegeplagten verarztet werden können.

 

 

Was unterschiedet Ihr Verlagskonzept, die bei Ihnen verlegten Bücher, Sie selbst von den anderen Verlagen, Verlegern und deren Programmen?

 

Wir machen Bücher über Themen, von denen wir selbst viel verstehen. Durch die Tätigkeit meiner Frau als Diplom-Psychologin verfügen wir über tiefe Einblicke in Vorgänge und Themen im Kinder- und Jugendbereich.

 

Weil wir Bücher lieben, sollen diese so schön wie möglich sein. Unser Erstling („Vom kleinen Spatz, der nicht fliegen wollte“) ist besonders groß geraten, eine Künstlerin hat die Bilder mit Aquarellfarben gemalt, die Schrift ist aufwändig gestaltet und direkt in die Bilder gesetzt – und als Cappuccinohäubchen gibt es eine Extra-Broschüre für Eltern und Erzieherinnen über den guten Umgang mit Kindern.

 

Was unterscheidet uns von anderen Verlegern: Zunächst einmal der Kontostand, dann das Aufgabenspektrum: Als Existenzgründer machen wir alles selbst: Wir entwickeln Ideen und Konzepte, schreiben Texte, organisieren die grafische Gestaltung und den Druck, tragen die angelieferten Bücher ins Lager, packen Pakete für die Barsortimenter und bringen sie zur Post, schreiben Rechnungen, informieren die Medien über unsere Neuerscheinungen und stellen die veröffentlichten Berichte auf unsere Homepage, die wir selbst pflegen. 

 

Schlüsselfrage Vertrieb: Wo und wie sind Sie in den einzelnen Vertriebskanälen präsent?

 

Obwohl frisch gegründet und das erste Buch gerade in der Mache war, ist es uns gelungen, mit allen wichtigen Barsortimentern ins Geschäft zu kommen. Wir sind Vertragspartner von Libri, KNV und Umbreit, was unsere Arbeit wesentlich beflügelt. Außerdem sind wir bei amazon zu finden.

 

 

Mit welchen Strategien wollen Sie sich als kleiner Verlag in einem von großen Verlagen und großen Buchhandlungsketten dominierten Markt etablieren?

 

Uns gelingt durch die Themenwahl und die Aufmachung eine Alleinstellung. Unsere Bücher heben sich ab. Die Reaktionen von Eltern und Großeltern bestätigen diese Einschätzung. Viele Kindergärten schätzen zum Beispiel unser Spatzenbuch als wertvolles Werkzeug, um das Thema „Der eigenen Entwicklung Zeit geben“ mit Kindern und Eltern zu  behandeln – ganz ohne erhobenen pädagogischen Zeigefinger. Auch das nächste Buch schließt eine Lücke innerhalb des aktuellen Themas „Jugend und Alkohol“. Und wieder geht es um Geschichten…

 

Wenn Sie eine erste Zwischenbilanz ziehen, wo stehen Sie heute?

Unser erstes Buch „Vom kleinen Spatz, der nicht fliegen wollte“ hat eine Erstauflage von 3000 Stück. Nach einem Jahr haben wir schon 1000 Exemplare verkauft. Damit sind wir sehr zufrieden und schauen optimistisch in die Zukunft.